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ROCO H0 Modell SBB Re 460

Das letze Produkt für die Schweizer Bahnen SBB und BLS aus eigener Produktion ist die Re 4/4 der 6. Generation. Nach der erfolgreichen Produktion der SBB BR 460 wurden keine so grossen Lokomotivserien von der Schweizer Industrie mehr gefertigt. Die Re 460 war zugleich der einzige und grösste Exportschlager den die Lokomotivenindustrie hergestellt hatte. Dazu beigetragen habe sicher das Schweizer Know How und das gelungene Design des Star Designer Pininfarina.

Auch für die Modellbahnindustrie waren die Lokomotiven ein willkommener Segen. Konnte doch dank der vielen Werbevarianten beim Vorbild, die kostspieligen Formen für die Modelle auf einfachste Art und Weise amortisiert werden. Noch Heute erscheinen beim Vorbild in regelmässigen Abständen wider Varianten, die auch von der Modellbranche ins MOdell umgesetzt werden können.

Um die Gunst der Modellbahner warben sehr früh ROCO und Märklin mit ihren Modellen. Unterscheiden sich die Modelle der Hersteller äusserlich optisch nicht all zu sehr voneinander, so liegen zwischen den beiden Innereien der Konkurrenten Welten. Bei Märklin handelt es sich um ein Zinkdruckgussmodell dass auf eine Blechchassis über einen Drehgestellmotor angetrieben wird. ROCO hat sich beim Gehäuse für einen hochwertigen Kunststoffbau entschieden und dem MOdell dafür einen überlegenen Antrieb auf alle vier Achsen gegönnt.

Nachdem schon etliche Varianten dieser Maschine von beiden Herstellern auf dem Markt erschienen sind, hat sich auch noch der Schweizer Hersteller HAG entschlossen ein Re 460 Modell auf den Markt zu bringen. Das HAG Modell erschien in bekannter und bewährter Technik und hatte vielleicht für absolute HAG Fanatiker eine grösseren Wert, rein Modellbahntechnisch gesehen war es nicht zwingend nötig ein HAG Modell zu erwerben. Durch Marketingspiele ist es HAG gelungen, wenige seltene Exemkplare exklusiv herzustellen und zu vertreiben. Dies machte es für den eine oder anderen Modellbahner nötig, auch ein Zugpferd aus dem HAG Stall zu erwerben. Zu diesen Exclusivitäten gehörten die SBB Jubi Lokomotive und die Zugkraft Aargau Maschine.

In diesem Bericht wird vor allem auf das überzeugende Modell der Firma ROCO eingegangen. Auf der Anlage verkehren drei Lokomotiven aus dem Hause HAG, die aber Traktionstechnisch und in der Stromabnahme nicht zu überzeugen vermögen.



Diese drei Modelle treten gegeneinander an:
v.l.n.r.: HAG, Roco, Märklin

Kurzbeschreibung der Modelle

HAG

Das Modell von HAG ist der Tradition des Hauses entsprechend ganz aus Metall hergestellt.
Der Standard HAG Motor Typ 88 treibt zwei Achsen eines Drehgestells an. Zum öffnen des Gehäuses ist an der Unterseite eine Schraube herauszudrehen.
Die Beleuchtung erfolgt mit jeweils zwei Glühlampen vorne und hinten. Daraus ergibt sich ein Lichtwechsel 3 x weiss vorne, 1 x weiss hinten.
Bei HAG wird in neueren Modellen standardmässig ein Decoder eingebaut, früher ein LokPilot 2, zurzeit ein LokPilot 3.

Sauber verarbeitet und aufgeräumt präsentiert sich das Innere der HAG Lok. Der bewährte Motor 88 leistet hier seinen Dienst, geregelt von einem ESU LokPilot v3.

Roco

Das Gehäuse der ROCO Re 460 ist vollständig aus Kunststoff hergestellt. Man darf sagen eine Meisterleistung der Salzburger. Feinste Rillen und Kanten wurden sauber dargestellt, Gitter filigran und passgenau eingesetzt und Details gingen fast keine vergessen. Die Führerstandgriffstangen sind aus Metall und werden passgenau in die Dafür vorgesehen Halterungen gesetzt.

Das Gehäuse wird auf das Metallchassis aufgesetzt und simpel, passgenau mit den vier Puffern am Chassis fixiert. Das schwere Lokchassis aus Zinkdruckguss verleht dem Modell Stabilität und eine grosse Adhäsion. Angetrieben wir das Modell durch den bekannten Fünfpolmotor mit grosser Schwungmasse. Der längseingebaute, schräggenutete Motor weisst ein grosses Drehmoment bei geringer Stromaufnahme auf. Er treibt über Kardanwellen alle Achsen in den Drehgestellen an. Zur Erhöhung der Zugkraft sind zwei Räder mit Haftreifen ausgerüstet.

Alle Achsen werden zur Stromabnahme beigezogen, dies erlaubt auch langsaste Fahrten über Weichen und flackerfreies Licht. Das Modell ist mit vier Glühlampen ausgerüstet, die es erlauben, dass Schweizer 3+1 Singal zu zeigen. Eine Digitalschnittstelle nach NEM 631 erlaubt es lötfrei einen Decoder für ein Mehrzugsteuerungssystem einzubauen.

Auffällig ist das hohe Metallchassis der Roco Lok. Unschön ist die Verwendung von Klebeband. Der längs eingebaute Fünfpoler ist mittig unter der Leiterplatte eingebaut.


Beim HAG Modell sind die Konturen nicht ganz so scharf und detailliert wie bei den Mitbewerbern.
Auffällig ist dies vor allem im Bereich über dem oberen Licht bei den Hörnern.
Als Besonderheit lassen sich bei der HAG Lok die Rangiertritte an den Puffern ausklappen.

Schön detailliert ist das Kunststoffgehäuse von Roco.
Das Roco Modell hat als einziger der drei Kandidaten die korrekten Pantografen (siehe Bild des Originals). Dem Modell liegen breitere Wippen für den Betrieb an einer Oberleitung bei.

Präzise und konturenscharf ist das Metallgehäuse von Märklin. Die Lok wird mit breiten Stromabnehmern für echten Oberleitungsbetrieb ausgeliefert, schmalere Schleifstücke sind als Zubehörteil unter der Artikelnummer 446500 erhältlich:
;85" /> Bild: Märklin

Der oben beschriebene Eindruck wird auch bei der Betrachtung der Seite der Loks bestätigt.
Unterschiedlich ist die Ausführung der Griffstangen: bei HAG und Märklin sind diese als Drahtbügel abgebogen und durch das Gehäuse geführt, was bei HAG dank präzis ausgeführte Gehäuselöcher kaum auffällt. Bei Märklin sind die Gehäuselöcher noch gut sichtbar. Roco geht einen anderen Weg. Hier werden kurze gerade Drahtstücke eingeklippst.
Die Trittstufen sind bei allen Modellen zu wenig tief ausgeführt, hier könnte kaum ein Lokführer hinaufsteigen. Etwas seltsam sieht es bei Roco und Märklin aus, da die Farbtrennkante hier durchläuft, was zwar durchaus korrekt wäre, bei der geringen Tiefe aber doch falsch aussieht. Bei HAG wirkt es am glaubwürdigsten.
Eine Besonderheit ist bei der Roco Lok die Möglichkeit, die Seitenspiegel ausgeklappt darzustellen. Dazu werden vier flache und vier ausgeklappt dargestellte Kunststoff-Steckteile mitgeliefert.
Die Gehäuseoberfläche der HAG gefällt am besten, die Märklin hat eine leicht grobe Oberfläche.
Zu erwähnen sei noch, dass es sich bei der HAG Lok hier um eine Sonderausführung ohne seitliche Sicken handelt. Dies ist bewusst so gemacht, alle anderen HAG Re 460 Loks haben natürlich die charakteristischen Sicken in der Seitenwand.

HAG rüstet seine Re 460 mit Federpuffer aus, sogar der Rangiertritt lässt sich ausklappen. Leider sind die Puffer nicht ganz gerade und müssen irgendwie noch gerichtet werden.
Die mittige Trittfläche ist präzise graviert.
Sehr schön ausgeführt ist der Führerstand und dessen Rückwand. Der Lokführer ist standardmässig eingesetzt.
Die filigranen Scheibenwischer sind als separate Teile verbaut, die Frontscheibe ist präzise eingepasst.
Bei den Lampen wurden die roten Lichter farblich korrekt hervorgehoben.
Das Schweizerkreuz ist eine Besonderheit dieses Sondermodells.

Auch bei der Roco gefällt der Führerstand sehr gut. Der Lokführer ist ebenfalls standardmässig in der Roco Lok. Dieser hat eine Mütze, welche einem Polizisten eher passen würde. Der arme Kerl sieht aber kaum über seien Führerstand hinweg.
Die Scheibenwischer sind Teil der Frontscheibe und schwarz abgesetzt.
Die mittlere Trittfläche gleicht eher einem grossen Klotz, die Puffer sind etwas stark abgerundet.
Sehr schön ist die Detaillierung des Gehäuse, welche sich hier von den beiden anderen Modellen abhebt.

Die Märklin Lok hat einen recht einfachen Führerstand, die Rückwand ist aus grauem Plastik und nicht weiter detailliert. Der Führerstand als solches erscheint im Verg leich mit den Mitbewerber hoch ausgefallen. Nimmt man ein Vorbildfoto hinzu, könnte die Höhe aber durchaus hier stimmen. Einen Lokführer sucht man vergebens.
Auch bei Märklin sind die Scheibenwischer Teil der Frontscheibe und schwarz abgesetzt. Der schwarz angedeutete Dichtungsgummi ist etwas breit ausgefallen, was das Fenster etwas wuchtig erscheinen lässt..

Und hier wieder ein Foto des Originals zum Vergleich. Deutlich sieht man, dass die Haltegriffe bei allen Modellen massiv zu dick ausgeführt sind. Dies wird wohl wegen der Stabilität notwendig sein.

Drehgestelle Die Drehgestelle der Re 460 sind unter normalen Bedingungen kaum sichtbar, da sie durch die Tiefe Verkleidung nahezu vollständig verdeckt sind. Deshalb sind diese auch bei den Modellen nicht von grosser Bedeutung, was die Detaillierung betrifft. Hier muss ich auch noch erwähnen, dass für die Fotos die Drehgestelle weiter aus dem Gehäuse herausragen als im Betrieb.

HAG
Sehr schön sind die dunkelgrau matt gefärbten Räder der HAG Lok. Interessant ist die erhabene Schrift SLM auf den Drehgestellen, was ich beim Original in dieser Form noch nie entdeckt habe. (Die Drehgestelle stammten von SIG, später wurde die Sparte Schienenfahrzeuge an FIAT verkauft und ist heute bei Alstom. )

Roco
Auch Roco vermag zu überzeugen.

Märklin
Die Märklin Drehgestelle sind sehr gut getroffen. Weniger gut gefallen die Räder: die typische Scheibenform ist hier nicht erkennbar, aber wie bereits geschrieben: viel sieht man hiervon auf der Anlage sowieso nicht.

Und hier wieder das Original. Aufgenommen in der Nacht im Hauptbahnhof Zürich, das Licht war entsprechend schlecht.
(Der HB Zürich ist auch kurz vor 21:00 Uhr, als der ICE 283 ankam, noch voll mit Reisenden. Da wird man schon etwas seltsam angeschaut, wenn man auf den Knien ein Foto eines Drehgestellt knipst.)

Fahrtests

Für die Fahrtest wurde eine Central Station verwendet. Die HAG und die Roco Lok werden mit 28 Fahrstufen angesteuert, die Märklin Loks mit deren 27. Dies ist das jeweilige Maximum, welches im Märklin Motorola Format aus den Decodern herausgeholt werden kann.