RABe 501
«Giruno» – der Bussard unter den Fernverkehrszügen
Im Jahr 2012 schrieb die SBB unter dem Projektnamen BeNe («Beschaffung Neue internationale Züge») 29 neue Züge für den Nord–Süd-Verkehr aus. Die Fahrzeuge sollten einstöckig und ohne Neigetechnik ausgeführt werden, um im Unterschied zu den ICN für den Einsatz im Gotthardverkehr optimiert zu sein. Am 9. Mai 2014 fiel die Entscheidung zugunsten von Stadler Rail und ihrem neuen Hochgeschwindigkeitszug SMILE. Der Auftrag umfasste ein Volumen von 980 Millionen Franken mit Option auf 92 weitere Züge. Nach Einsprüchen der Mitbewerber Alstom und Talgo konnte der Vertrag am 30. Oktober 2014 rechtskräftig unterzeichnet werden. Seit 2015 wird das Projekt bei der SBB offiziell unter dem Namen Giruno geführt. Die RABe 501 sind 200 Meter lange, elfteilige Gliederzüge der SBB, gebaut von Stadler Rail in Bussnang. Der Zug wird von der SBB als Giruno bezeichnet – abgeleitet vom rätoromanischen girùn für «Bussard». Beim Hersteller trägt der Zug die Bezeichnung Stadler SMILE für Schneller Mehrsystemfähiger Innovativer Leichter Expresszug.
Design
Das markante Design des Giruno stammt von der Agentur Nose Design AG. Das Gestaltungskonzept wurde 2017/18 mit dem Design Leadership Prize – Focus Ageing Societyausgezeichnet und steht für ein helles, grosszügiges Innenraumkonzept mit breiten Einstiegen, klarer Linienführung und zeitgemässem Komfort. Der Zug weist Abteile der 1. und 2. Klasse auf. Zusätzlich wurden ein Businessabteil mit anderem Lichtkonzept sowie ein grosszügiges Kinderabteil realisiert. Erstmals sind Behindertenplätze sowohl in der 1. als auch in der 2. Klasse vorhanden.
Inbetriebsetzung
Die erste Präsentation des Giruno erfolgte im September 2016 auf der Innotrans in Berlin. Der erste komplette Zug wurde am 18. Mai 2017 in Bussnang feierlich im Beisein von Bundespräsidentin Doris Leuthard ausgerollt. Im Rahmen der Zulassung erreichte der Giruno im Februar 2018 zwischen Hannover und Göttingen eine Geschwindigkeit von 275 km/h – rund 10 % über der Auslegungsgeschwindigkeit von 250 km/h. Am 4. April 2019 erhielt der Giruno vom Bundesamt für Verkehr die Betriebsbewilligung für 200 km/h auf dem Schweizer Netz. Die Zulassungen für Italien, Deutschland und Österreich folgten bis 2021. Seit Dezember 2019 verkehren die Züge fahrplanmässig durch den Gotthard-Basistunnel und verbinden Basel bzw. Zürich mit Chiasso, Lugano und Mailand. Auch auf der Linie Zürich – Chur sind die Giruno mittlerweile regelmässig anzutreffen.
Technisches
Der Giruno ist ein unteilbarer, elfteiliger Gliederzug mit Jakobs-Drehgestellen und unter den drei Stromsystemen 15 kV / 16,7 Hz AC, 25 kV / 50 Hz AC sowie 3 kV DC einsetzbar. Die Züge verfügen über Scharfenbergkupplungen Typ 10, WLAN, Steckdosen (Typ F und J), LED-Beleuchtung, grosse Gepäckablagen
und behindertengerechte Einstiegszonen auf 550 mm und 760 mm Perronhöhe. Die maximale Höchstgeschwindigkeit beträgt 250 km/h. Mit seinem tiefliegenden Einstieg und rollstuhlgängigen Toiletten gilt der Giruno als erster «Niederflur-Hochgeschwindigkeitszug» der Welt.
Varianten und Komfort
Alle mittlerweile 41 ausgelieferten Züge verfügen über einen Speisewagen. Der Innenraum bietet sowohl Vis-à-vis- als auch Reihenbestuhlung mit Klapptischen, getrennte Toiletten für Damen und Herren sowie einen Pissoirbereich. Fahrradstellplätze und Familienzonen ergänzen das Angebot.
Zugtaufen
Jeder der sechsundzwanzig Giruno-Züge trägt den Namen und das Wappen eines Schweizer Kantons – ganz wie einst die legendären Ae 6/6-Lokomotiven. Die Wappen sind aussen beim Führerstand und zusätzlich im Speisewagen angebracht. Die erste Taufe erfolgte am 8. August 2019 in Bellinzona mit dem Zug RABe 501 003 «San Gottardo». Weitere Taufen folgten, darunter Uri, Zürich, Thurgau, Basel-Stadt und Ticino. Bis 2025 erhielten die meisten Züge Namen und Wappen – teils in stillen Taufen – darunter Aargau, Graubünden, Jura, Simplon und Vorarlberg. Die letzte Serie der Züge trägt Namen von Regionen, die sie anfahren wie Ligurien, Veneto oder Baden Württemberg – aktuell noch ohne Wappen.
Einsatz
Seit 2019 verkehren die Giruno-Züge im internationalen Gotthardverkehr, seit 2020 auch bis nach Mailand. Ab 2025 werden sie zudem auf den EC-Linien Zürich – Florenz, Zürich – Livorno – Genua sowie Zürich – Bologna eingesetzt. Langfristig ersetzen sie die bisherigen Neigezüge des Typs ICN und ETR 610. Die in den Jahren 2022 und 2024 nachbestellten zwölf zusätzlichen Züge sind inzwischen abgeliefert und ermöglichen es, den internationalen Verkehr nach Deutschland und Italien weiter auszubauen.
Kritik und Erfahrungen
In den ersten Einsatzjahren kam es zu Kinderkrankheiten bei Türen und Steuerungssystemen. Auch die Lärmdämmung und die hellen Innenräume wurden teils kritisiert. Stadler hat seither zahlreiche Nachbesserungen vorgenommen. Heute gilt der Giruno als moderner, komfortabler und technisch fortschrittlicher Hochgeschwindigkeitszug für die Zukunft des Schweizer Fernverkehrs der kaum von Störungsbedingten Zugausfällen betroffen ist. Die Verfügbarkeit der Züge erreicht beinahe 100%
Technische Daten SBB RABe 501 «Giruno»

Bezeichnung | RABe 501 «Giruno» |
Hersteller | Stadler Rail AG, Bussnang (SMILE) |
Baujahre | 2017 – 2024 |
Anzahl Züge | 41 001 bis 041 |
Zugtyp | Einstöckiger Hochgeschwindigkeitszug (11 Teile) |
Zuglänge über Kupplung | 200 m |
Breite / Höhe | 2 900 mm / 4 100 mm |
Gewicht | ca. 400 t (Leergewicht) |
Achsfolge | Bo’Bo’ + 2’2’ + Bo’Bo’ + 2’2’ + Bo’Bo’ + 2’2’ + Bo’Bo’ + 2’2’ + Bo’Bo’ + 2’2’ + Bo’Bo’ |
Leistung | 6 000 kW (unter 15 kV AC) |
Höchstgeschwindigkeit | 250 km/h (Konstruktion) / 230 km/h (Betrieb CH) |
Stromsysteme | 15 kV 16,7 Hz AC / 25 kV 50 Hz AC / 3 kV DC (Italien) |
Antrieb | Asynchronmotoren, Jakobs-Drehgestelle (Gliederzug) |
Zugkraft (Anfahrt) | 300 kN |
Sitzplätze | 117 (1. Klasse) / 288 (2. Klasse) + 9 Fahrradplätze |
Ausstattung | WLAN, Steckdosen (Typ F & J), LED-Beleuchtung, Klimaanlage, Speisewagen |
Einsatz | Basel / Zürich – Lugano / Mailand / Bologna / Venedig /Frankfurt und Florenz |
Zugtaufen und Namen SBB RABe 501 «Giruno»






























