Zum Hauptinhalt springen

Neue Website: Die Passwörter aus dem alten Forum konnten aus Sicherheitsgründen nicht übernommen werden. Bitte setze dein Passwort einmalig neu.

Passwort jetzt neu setzen
Aktuell

BLS RBDe 4/4

BLS RBDe 4/4 "Die Privatbahn NPZ" Eine drei teilige BLS RBDe 4/4 Komposition in Hohtenn 19. November 2003 Ende der 1970er-Jahre verfügte die BLS-Betriebsgemeinschaft (BN, GBS, SEZ) über eine überalterte Flotte von lediglich 24 Triebwagen,

Von Andreas Cadosch4 Min. Lesezeit

BLS RBDe 4/4

"Die Privatbahn NPZ"

Eine dreiteilige BLS RBDe 4/4 Komposition in Hohtenn 19. November 2003

Ende der 1970er-Jahre verfügte die BLS-Betriebsgemeinschaft (BN, GBS, SEZ) über eine überalterte Flotte von lediglich 24 Triebwagen, teils über 40 Jahre alt. Zur Modernisierung bestellte sie 1979 zehn Pendelzugseinheiten vom Typ RBDe 4/4 heute als RBDe 565 bezeichnet. Die RBDe 4/4 wurden als gemeinsames Beschaffungsprojekt der BLS und der Bodensee–Toggenburg-Bahn (BT) entwickelt. Auf Anforderung des Eidgenössischen Amtes für Verkehr (EAV heute BAV) mussten sich mehrere Bahnen mit ähnlichen Bedürfnissen zusammenschliessen. Neben BLS und BT beteiligten sich auch die GFM und die RVT an derr Beschaffung, später kam die EBT-Gruppe hinzu.

Die RBDe 4/4 sind elektrische Triebwagen, die zusammen mit passenden Steuer- und Zwischenwagen als Pendelzüge im Regionalverkehr eingesetzt wurden. Sie gehören zur Fahrzeugfamilie der sogenannten «Privatbahn-NPZ», welche von mehreren Privatbahnen gemeinsam entwickelt wurde. Seit 2021 werden sie bei den BLS durch modernere Triebzüge vom Typ MIKA ersetzt.

Während die technischen Grunddaten übereinstimmten, unterschieden sich die Fahrzeuge je nach Bahn in Details:

  • BLS-Ausführung: Einheitswagenprinzip, Endeinstiege, Schraubenfedern, Klotzbremsen

  • BT-Ausführung: Doppeleinstiege im Drittelpunkt, luftgefederte Drehgestelle, Scheibenbremsen

  • GFM und RVT: Ausrüstung mit zwei Führerständen

  • BLS-Nachserien: Nur noch ein Führerstand gemäß ursprünglicher BLS-Konzeption

Die Fahrzeuge wurden einheitlich der Gruppe der «Privatbahn-NPZ» zugerechnet. Die NPZ der SBB (inklusive SOB und TRAVYS) entstanden als Weiterentwicklung dieser Privatbahn-Generation und unterscheiden sich unter anderem durch eine höhere Höchstgeschwindigkeit (140 statt 125 km/h), einer Nutzstrombremse sowie eine modernisierte Vielfachsteuerung. Wie die späteren NPZ der SBB waren die RBDe 4/4 mit einer stufenlosen Phasenanschnittsteuerung ausgerüstet, jedoch noch ohne Nutzstrombremse. Die elektrische Ausrüstung der RBDe 4/4 (RBDe 565) wurde von BBC Baden, später ABB, geliefert und entsprach dem Stand der Technik Anfang der 1980er-Jahre. Der Triebwagen besitzt eine klassische, robuste Gleichstrom-Reihenschlussmotor-Ausrüstung, gespeist über einen einseitigen Thyristorsteller. Die Züge verfügen zudem über eine fein wirkende EP-Bremse.

Die Stromabnahme erfolgt über einen SBS-Stromabnehmer und wird über die Hochspannungseinführung und den ölgefüllten Hauptschalter (BBC) dem Transformator mit mehreren Sekundärabgriffen für Traktion und Hilfsbetriebe sowie dem aus Thyristoren aufgebauten Hauptgleichrichter zugeführt. Der RBDe 565 gehört damit zur letzten Generation von Schweizer Triebwagen mit klassischem Thyristor-Antrieb, bevor in den 1990er-Jahren auf GTO- und später IGBT-Umrichter umgestellt wurde.

Die vier Gleichstrom-Reihenschlussmotoren (je 412 kW) werden über zwei parallel geschaltete Phasenanschnitt-Thyristorsteller gespeist. Die elektrische Ausrüstung gilt als sehr robust und reparaturfreundlich, weshalb die RBDe 565 trotz ihres Alters lange im Einsatz bleiben konnten. Die Widerstandsbremse macht den Triebwagen im Gebirge zuverlässig, aber weniger energieeffizient als spätere NPZ-Generationen, und die Thyristorsteuerung erzeugt das charakteristische summende Geräusch, das für die NPZ-Fahrzeuge dieser Generation typisch ist.

Bremsausrüstung

Die Züge verfügen über eine elektrische Widerstandsbremse (R-Widerstände im Dachbereich) sowie über eine mehrlösige Druckluftbremse des Systems Oerlikon mit automatischem Lastwechsel.

Hilfsbetriebe

Die Hilfsbetriebe werden über eine eigene Sekundärwicklung des Transformators gespeist, welche die Hilfsbetriebe-Gleichrichtergruppe versorgt. Von dort aus werden die Batterieladung, die Beleuchtung, die Heizungen, der Steuerstrom, der elektrisch angetriebene Schraubenkompressor sowie die Lüftergruppen gespeist. Die Lüfter der Traktionsmotoren und der Widerstandsbremse werden dabei unabhängig voneinander geregelt.

Vielfachsteuerung

Die BLS-Fahrzeuge wurden mit der Privatbahn-Vielfachsteuerung ausgerüstet (Charakteristiksteuerung).

Sie ermöglicht:

  • Fernsteuerung über ABt-Steuerwagen

  • Mehrfachtraktion bis max. 3 Triebwagen

  • Kompatibilität zwischen BLS-, BT-, GFM- und RVT-Einheiten

Sie waren nicht kompatibel mit den SBB-NPZ da diese eine Vielfachsteuerung Typ IIId besitzen

Beschaffung

Es wurden beschafft:

  • 2 vierteilige Züge für die SEZ

  • 5 dreiteilige Züge

  • 3 zweiteilige Züge

Von Beginn an war vorgesehen, ältere Einheitswagen Typ I als zusätzliche Zwischenwagen einzusetzen. Die Fertigung erfolgte bei BBC (elektrische Ausrüstung), SWS (Steuerwagen, Zwischenwagen und Triebdrehgestelle) sowie SIG (Wagenkasten der Triebwagen). Die ersten Zwischenwagen wurden ab Herbst 1981 geliefert, die Trieb- und Steuerwagen folgten in der ersten Hälfte 1982.

Weitere Pendelzüge wurden 1984/85 beschafft. Äusserlich unterschieden sie sich vor allem durch den Wegfall der Schürzen. Im Innenraum wurden die Sitzpolster überarbeitet und das Raucherabteil in sechs Zwischenwagen um ein Fenster verkleinert. Im Jahr 1991 kamen zusätzliche vier Trieb- und Steuerwagen zur Auslieferung. Als Zwischenwagen dienten zunehmend Einheitswagen I mit aussenbündigen Türen.

Technische Daten

Typpenskizze_BLS_RBDe4_4.jpg

Baureihe / Bezeichnung

RBDe 565 (ehemals RBDe 4/4)

Betreiber

BLS AG

Nummerierung

RBDe 565 721–742

Hersteller

SIG Neuhausen, SWS Schlieren, SWP Pratteln, BBC Baden, ABB Zürich

Baujahre

1981–1982, 1984–1985, 1991–1992

Achsfolge

Bo’Bo’

Spurweite

1 435 mm (Normalspur)

Länge über Puffer

25 000 mm

Leermasse

ca. 69 t

Dauerleistung

1 650 kW

Anfahrzugkraft

164 kN

Höchstgeschwindigkeit

125 km/h

Fahrleitungsspannung

15 000 V, 16,7 Hz~

Sitzplätze

55 Sitzplätze 2. Klasse im Triebwagen

Verbleib/Bestand Mit der fortschreitenden Ablösung durch die neuen Stadler MIKAs ab 2021 wurde der Bestand der RBDe-565-Pendelzüge sukzessive reduziert. Ein Teil der Flotte blieb weiterhin betriebsfähig im Einsatz, andere Fahrzeuge wurden abgestellt, verkauft oder verschrottet. Der Verbleib lässt sich wie folgt zusammenfassen:

Einige Einheiten verblieben zunächst weiterhin bei der BLS, vorwiegend für Verstärkerleistungen, Baustellenverkehr, Schulverkehr oder als Reserve. Mit jedem neuen in Betrieb gehenden MIKA nahm der Bestand an RBDe 4/4 weiter ab.

Mehrere Fahrzeuge wurden zwischen 2021 und 2024 ausser Betrieb genommen und abgestellt. Der überwiegende Teil der ausrangierten Fahrzeuge diente als Ersatzteilspender zur Aufrechterhaltung des Betriebs der noch eingesetzten Pendelzüge. Einzelne Triebwagen wurden vorübergehend von der TPF übernommen, jedoch meist ausschliesslich zur Ersatzteilgewinnung.

Nicht mehr benötigte Einheiten wurden nach dem Ausbau der verwertbaren Komponenten der Entsorgung zugeführt, so dass sich der Grossteil der ersten Serie von 1981/82 heute nicht mehr im Bestand befindet.

BLS_RABDe_44_Bild2.jpg

RBDe 4/4 als Regionalzug nach Brig in Goppenstein 19. November 2003

Verwandte Artikel

BT RBDe 4/4

BT RBDe 4/4 Pendelzüge 3 teilige BT RABDe 4/12 Komposition in Schachen SG als S4 Die Bodensee-Toggenburg-Bahn (BT) eröffnete 1910 die Strecke Romanshorn – St. Gallen – Lichtensteig – Wattwil durch die malerische Landschaft des Toggenburgs.

3 Min. Lesezeit

BLS Re 465

Zur Foto-Gallerie Einführung Zwischen 1994 und 1997 konnte die BLS 18 Lokomotiven der Baureihe 465 in Betrieb nehmen. Die Beschaffung der neuen Lokomotive, erfolgte im Rahmen des Konzeptes Bahn 2000. Die Re 465 stellt, auch wenn äusserlich

4 Min. Lesezeit

RhB ABe 8/12 Allegra

RhB ABe 8/12 «Allegra» –Zweisystem-Power für Stammnetz und Berninabahn Zur Foto-Gallerie Allegra – oder Grüezi, wie man in der Schweiz sagt – ist seit 2010 nicht mehr nur eine freundliche Begrüssung, sondern auch der Name einer neuen

5 Min. Lesezeit

Kommentare

Einloggen zum Kommentieren.
Noch keine Kommentare. Sei der/die erste.